In den Gallerien und auf den Bühnen der Stadt findet derzeit das Avantgardkunstfestival
steirischer herbst statt, vor meiner Haustür ein Dreckfestival - die multikulturelle Gegenveranstal- tung. Auf Schritt und Tritt stoße ich auf 'Installationskunst' von Ahmet & Co, die sich dem Thema 'Die Stadt als Saustall' verschrieben hat. Früher war es ein verruchtes Viertel, mein Wohnbezirk. Heute ist es dank der zahlreich hier heimischen Ahmets & Co eine lebendige, dreckige Kunstmeile. Ein Spaziergang ist zugleich eine Kunstexkursion.
Ein häufig zu sehendes Objekt ist ein abgestelltes herren- bzw. frauenloses Einkaufswagerl. Ein mittlerweile klassisches Sujet als Symbol selbstbewussten Konsumierens.
'Ich nehm nicht nur eure Waren mit, sondern auch euren Einkaufswagen!'
Selbstverständlich fließt auch sehr viel Brauchtum aus der alten Heimat in die Kunst des Versauens ein - etwa das Müllentsorgen im Straßenraum - damit die kulturelle Identität nicht verloren geht. Außerdem soll jeder sehen, Ahmet & Co können es sich leisten, Dinge, die ihnen missfallen, wegzuwerfen. Und zwar überall, auch an verbotenen Stellen. Denn Kunst kann, soll und darf überall stattfinden.
Einen ganz anderen Bedeutungsgehalt haben die Installationen neben den Mülltonnen im Hinterhof. Sie entlarven schonungslos die Faulheit der Müllmänner. Denn diese weigern sich beharrlich, abgestellte Einrichtungsgegenstände wie Sesseln, Sofas, Wäscheständer etc. mitzunehmen. Uns war zuvor nie aufgefallen, wie borniert und eben faul diese Müllmänner sind, weil wir nur entsorgungsgerechten Müll in die Tonnen geworfen haben.
Welch penetrante Bereicherung die multikulturelle
Dirt Art, über die ich permanent stolpere, doch ist.
11.10.2009