Das gekränkte Ego wird besänftigt

[20.12.2006 I Erinnerung an S.]
„Er ist genau so ein wertvoller Mensch wie du. Aber ich geh’ nicht mit jedem ins Bett. Also, er ist nicht ‚so gleich’ wie du“, sagt sie auf dem Weg zum Auto.
Genau das will das gekränkte Männer-Ego hören, lässt sich übertölpeln und stoppt fürs erste den seelischen Aufruhr, bevor es später wieder den Verstand anstichelt, der sich nun zu quälen beginnt: Warum hat sie einen anderen? War ich nicht gut genug? Warum ist das Leben so gemein…blablabla…

Aber darum geht es nicht. Dinge ändern sich, das ist so im Leben. Die Liebe ist manchmal eben nur ein flüchtiges Glück. Sie hat sich für einen anderen entschieden. Das muss ich akzeptieren. Einzig die als edle Motive getarnte Lüge kann ich ihr vorhalten, sie habe sich zurückgezogen, weil sie wisse, dass sie ihren Mann nicht verlassen werde und sie mir im Weg stünde, andere Frauen kennen zu lernen. Diese Unaufrichtigkeit, möglicherweise aus ihrer Unbekümmertheit heraus, auf die einfache Art die Kurve zu kratzen, ist die eigentliche Verletzung.
Ich habe mich monatelang weiterhin nach ihr verzehrt. Meine Liebe zu ihr ist zu einer Andacht geworden, die für sie längst nur mehr eine Erinnerung war.
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