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Sonntag, 16. März 2008

In alten Netzen verheddert

Sie habe mich als zurück gezogenen Menschen erlebt. Ich hätte nicht viel gesagt. Sie hatte das Gefühl, sie würde mich zutexten, erzählte sie ihrer Freundin B. Ein wenig leblos hätte ich gewirkt und sei mit den Gedanken nicht immer bei der Sache gewesen. (Letzteres stimmt, denn ich dachte immer an B., mit der ich vor einem Jahr um diese Zeit verliebt auf dem sonnigen Platz vor dem Cafe gesessen bin.)

Die geschilderten Eindrücke ihrer Freundin nach einem Date mit mir hätten sie in gewisser Weise erschreckt, meinte B., weil auch sie mich als leblos empfunden und Traurigkeit bei mir gespürt habe, in den Augenblicken unseres Zusammenseins. Und diese Laschheit würde ich auch ausstrahlen.

Mich erschreckt schmerzlich, wie sehr Fremd- und Eigenwahrnehmung differieren. Ich war davon überzeugt, mich in den letzten Jahren ein wenig aus alten Netzen befreit zu haben.
Auch wenn ich nie der Strahle- und Lebemensch sein werde, den sich viele wünschen, so hatte ich das Gefühl, zumindest einen kleinen Schritt nach vorne getan zu haben. In Wirklichkeit bin ich nur im Kreis gegangen und wieder dort angekommen, wo ich losgegangen bin.

Ein Jahr zuvor…
In einem Kommentar hab ich vor anderthalb Wochen kurz ein bevor stehendes Blind Date mit der Freundin von B. erwähnt. Bereits vor einem Jahr hatte B. mich freudig angerufen: Jetzt habe ich die richtige Frau für dich gefunden…ihr passt vom Typ her total gut zusammen. Sie interessiert sich auch für Esoterik…
Naja, und jetzt war’s eben soweit…mit niederschmetterndem Erfolg.

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la-mamma - 16. Mrz, 12:58

mir scheint du stellst

die fremdwahrnehmung aber zu hoch über deine eigene! ich persönlich kann die strahlenden vielquatscher, bei denen eh meistens nichts dahinter ist, nicht ausstehen - falls dich das tröstet.

lovehunter - 16. Mrz, 13:01

Ich hab ja nachgefragt: "Und, was für eine G'schichteln drücken die anderen Typen rein?" (Weil ich eben auch von diesen Vielquatschern ausging).
"Sie drücken keine G'schichteln", sagte B., "aber sie begeistern bzw. strahlen Lebensfreude aus". So in der Art kam es rüber. Und ich merke oft selbst in der Kommunikation, dass mir der Biss fehlt (in weiterer Folge im Leben. Ich bin der 'Rumsitzer') und ich sitze dann halt ruhig da. Es ist eine gewisse Lebendigkeit, die abgeht. Obwohl ich beim Date den Eindruck hatte, mich ganz normal in die Konversation eingebracht zu haben. Es ging hauptsächlich um esoterische Themen und darin kenne ich mich eh ganz gut aus.
SuperWeib - 16. Mrz, 13:13

Es ist eine gewisse Lebendigkeit, die abgeht.

Die wem abgeht? Dir? B.? B.'s Freundin?
lovehunter - 16. Mrz, 13:25

Auch mir geht sie ab, ich merke es oft selbst. Ich bin nicht 'mittendrin'. Es schwingt eine alte, tiefe Traurigkeit mit, die ich seit meiner Kindheit kenne.
SuperWeib - 16. Mrz, 13:47

Du bist davon überzeugt, dass du dich ein wenig aus alten Netzen befreit hast. Gut, dein Date hat ja wahrscheinlich den Vergleich zu früher nicht - aber du hast ihn. Vielleicht solltest du dich einfach mehr auf DEIN Gefühl verlassen und nicht darauf, was andere meinen...
Und genau das, was diese beiden Damen an dir kritisieren, kann eine andere entzückend finden... ;)
testsiegerin - 16. Mrz, 13:19

Scheiß auf das, was die anderen sagen. Wenn du das Gefühl hast, du hast dich entwickelt und aus manchen Netzen befreit, dann ist das so. Basta.

Mach dich nicht so abhängig von den Meinungen der anderen. Die haben immer ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Moral- und Lebensvorstellungen, die sie dir aufs Aug drücken wollen. Nicht einmal TherapeutInnen können sich davon freimachen.

Zu dem Bild mit dem Kreis fällt mir noch was ein: Was ist schlimm daran, wieder am Ausgangspunkt zu landen? Tun wir das nicht alle immer wieder? Nach Hause (oder zu uns) zurückkommen? Wichtig ist, was wir auf der Reise erlebt haben. Und wir werden jedesmal ein bisschen anders zurückkommen. Selbst dann, wenn die anderen das nicht wahrnehmen.

Das Wort zum Sonntag Mittag.
Und jetzt gibt's Essen.

lovehunter - 16. Mrz, 13:23

Ach, ich hab einfach so viele Zweifel, aber ich werde versuchen, mehr bei mir zu bleiben, auf mein Inneres zu hören.
Aber irgendetwas scheint dennoch zu fehlen, denn nach anfänglicher Begeisterung stehe ich bald schon auf dem Abstellgleis.

PS. Gesegnete Mahlzeit :)
Sun-ray - 16. Mrz, 14:20

Da du dich mit Sinnfragen beschäftigst,
ist dir sicher das Bild von der Spirale vertraut.
Was uns manchmal wie im Kreis gehen vorkommt,
ist tatsächlich eine Vorwärtsbewegung,
nur dass die eben nicht linear stattfindet.
Man findet sich immer wieder an Stellen ein,
die einem unsäglich vertraut sind
und neigt dann dazu, Stagnation anzunehmen.
Aber das ist ein Trugschluss.

Mir fällt bei von dir Erzähltem mehrerlei auf.
B. sorgt sich anscheinend um dich und versucht darum,
dir dabei zu helfen, dein Glück zu verwalten.
Sicherlich gut gemeint, und zuweilen können
solche externen Impulse durchaus Weichen werden.
Aber doch nur zur rechten Zeit und am rechten Ort.
Vorrangig folgt dein Leben ganz eigenem Rhythmus,
der sich von außen weder 'korrigieren'
noch beschleunigen lässt.
Allein die Vorstellung, esoterisches Interesse sei
potentiell genügendes Bindeglied und alles weitere
Sache persönlichen Bemühens und Erfolgs,
erscheint mir arg konstruiert und lebensfern.

Zur Traurigkeit:
Es ist völlig müßig, einen Schalter zu suchen,
der sie abstellt, um den Fluss allseits angenehmer zu gestalten.
Oder Vorwurf daraus abzuleiten,
dass besagter Schalter nicht existiert.
Sie ist Teil deines Seins und das nicht grundlos.
Zuweilen mag sie dir wie lastende Strafe vorkommen,
in Wirklichkeit ist sie jedoch intensiver Werkstoff.

Ich will deiner Freundin gewiss nicht zu nahe treten,
aber weißt du, was mein erster Eindruck beim Lesen war?
Dieser:
Ach herrje, da knallen Seifenoper und Tiefe aufeinander -
und wie so oft versucht die Seifenoper
ihre Berechtigung dadurch zu manifestieren,
dass sie der Tiefe ihr Tiefsein zum Vorwurf macht;
im Sinne eine pathologischen Phänomens,
welches es zu beheben gilt.

Im wirklichen Leben - also dem jenseits
konstruierter Seifenopern - läuft's eher so:
Irgendwann, wenn du gar nicht damit rechnest -
vielleicht sitzt du gerade auf einer Parkbank
und blinzelst gedankenverloren in die Frühlingssonne -
setzt sich plötzlich jemand neben dich.
Vielleicht jemand ganz ungeschicktes,
dem prompt sein Eis aus der Hand fällt, das,
warum auch immer, ausgerechnet auf deiner Hose landet.
Keiner hat's beabsichtigt und geplant,
aber von einem Moment auf den anderen
seid ihr im Plaudern.
Eben vielleicht noch traurig,
heben sich auf einmal die düsteren Gedanken.
Ihr sitzt noch keine zehn Minuten,
und schon seid ihr mitten in Themen,
die ihr euch nicht hättet träumen lassen.
Und weil euch niemand jagt
und es euch beiden so unverhofft gut tut,
ergibt es sich ganz selbstverständlich,
dass ihr weiteres Gespräch zusammen sucht.
So funktioniert das Leben.
Aber doch nicht nach geplanten Blinddates,
deren Koordinaten zuvor fremdabgesteckt wurden
und über die es im Anschluss Manöverkritik
in Form destruktiver Persönlichkeitsanalyse gibt.

Sei froh, dass dir zu solchen Spielchen was fehlt.
Würdest du ihrer Illusionshaftigkeit aufsitzen,
hättest du viel weniger Chance,
echtes und dir zuträgliches zu erkennen,
wenn es dir begegnet.
Auch tief verinnerlichter Traurigkeit
will gelassen und respektvoll begegnet werden.
Ist der einzige Weg, ihr Wesen aufzuhellen.

Lieben Gruß an dich von einer,
die mit den Farben der Traurigkeit vertraut ist
und nicht nur deshalb Seifenopern dort belässt,
wo man derer anscheinend (noch) bedarf.
sun-ray
lovehunter - 16. Mrz, 17:33

DANKE für deine ausführlichen Worte. Es sind sehr viele positive Impulse für mich darin enthalten.

Die Traurigkeit ist sicher ein intensiver Werkstoff und ich bin sicher auch ungeduldig, weil ich einfach nicht erkennen kann, was ich daraus schaffe, welches Werk daraus entstehen will und was sie mir sagen will.
deprifrei-leben - 16. Mrz, 16:11

Was ich ausstrahle hängt bei mir sehr von der Person ab wie sie mich versteht und dass sie einen nicht zu sehr bewertet, wobei jeder Mensch Berwertungen vornimmmt.
Auch kann nur ein Treffen täuschen, vielleicht kommt deine Sonnenscheinseite erst mit der Zeit hoch, wenn du dich geborgener fühlst.
Und mach dich von dem Gelaber der Damen nicht verrückt!

lovehunter - 16. Mrz, 17:36

Ich muss echt versuchen, mich zurückzunehmen. Man kann sicher den einen oder anderen Aspekt des Gesagten als Anregung verstehen, aber schlussendlich hat niemand die Wahrheit gepachtet und es sind auch nur subjektive Eindrücke einer Person, die bei einer anderen wieder etwas anders ausfallen.
Sternenstaub - 16. Mrz, 17:57

die Frage die sich mir das stellt ist, nimmst du andere, eventuell positive Antworten überhaupt wahr ????

Denn ICH hab dich sicher nicht so erlebt, aber vielleicht ist das auch nur auf meine heiter gesprächige sternenstaubige Art zurückzuführen

(und richtig diese gestrige Bezeichnung gefiel mir nicht ganz, denn dabei komm ich mir irgendwie, wie ein plappernder Papagei vor)

lovehunter - 16. Mrz, 18:03

Vielleicht gehören meine Wahrnehmungsfilter einmal gewartet und neu eingestellt...oder ich als Ganzes einmal durch die Mangel gedreht :)

Oh, bitte versteh die gestrige Bezeichnung nicht falsch. Gemeint war, dass von dir auch sehr viel zurück kommt. Es gibt sehr oft Gesprächsituationen, die sehr einseitig verlaufen. Bei uns hingegen war es ein sehr harmonisches, witzig aufgelockertes Wortwechselspiel...von Plappern war keine Spur, nicht einmal ein Sternstaubkörnchen :))+

Wenn mir was Besseres einfällt, bessere ich die Textpassage aus.
Sternenstaub - 16. Mrz, 19:51

Achtung, wenn du mehr schreibst, kommt vielleicht noch raus, dass du eben doch witzig und lebhaft sein kannst und die Mitleidstour zieht nimma ;))))
lovehunter - 16. Mrz, 20:15

Upps, ja..da muss ich wirklich aufpassen.
Im Grunde bin ich eh witzig, wenn ich das richtige Gegenüber habe...
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