Die ersten Male – eine Chronik des Scheiterns (4)
Eine Millisekunde Herzstillstand - und schon war ich verliebt in das engelblonde zarte Wesen mit dem himmlischen Lächeln. Zehn Jahre lang war das Haarschneiden im Friseurladen auf der gegenüber liegenden Straßenseite meiner Wohnung eine Routineangelegenheit. Doch Anfang der 90er Jahre änderte sich mit einem Schlag alles. Ich ließ mir nur noch vom Fräulein Andrea, der neuen Friseurin, die Haare schneiden. Mit pochendem Herzen saß ich jedes Mal auf dem Stuhl, verkrampft und nicht selten einem Schweißausbruch nahe.
Beabsichtigte Zufälle
Dem Zufall half ich oft nach, um ihr auf der Straße zu begegnen, wenn sie Dienstschluss hatte. Dabei kam ich ihr manchmal mit dem Rad entgegen, und sie winkte lächelnd aus dem Auto. Ein anderes Mal spazierte ich die Straße entlang, täuschte ein Nachhausekommen von der Arbeit vor usw.
Zweite Öffnung in den A... gefreut
An einem sonnigen Frühsommertag, es war ein Samstag, nahm ich all meinen Mut zusammen und rief sie am Vormittag im Geschäft an. Ich fragte, ob sie Lust hätte, mit mir auf einen Drink zu gehen.
Heute geht es nicht, weil ich auf einer Hochzeit bin, aber nächste Woche gerne…An diesem Wochenende freute ich mir eine zweite Öffnung in den Allerwertesten, so happy war ich. Im Kopfkino liefen bereits Bilder, die weit in die Zukunft nach dem ersten Drink hinein reichten.
Im Treibsand der Traurigkeit
Am darauf folgenden Montag rief ich sie schon deutlich entspannter an. Schließlich ging es nur noch um die Winzigkeit, einen Ausgehtermin zu fixieren. Doch sie vertröstete mich, weil ihr etwas dazwischen gekommen sei. Beim nächsten Mal hatte sie Schnupfen. Alles nur Ausreden. Mir wurde zusehends klar, dass es nie ein Date geben würde. Daher eröffnete ich das letzte Telefonat gleich mit der Frage:
Gel, du willst dich gar nicht mit mir treffen?
-
Ja!
Plötzlich stand ich wieder im Treibsand der Traurigkeit. Das Leben war wieder bodenlos, und ich schrieb einen Song:
I felt. Es dauerte Monate, ihn zu schreiben - eine wahre Schmerzgeburt. Bis zum nächsten
Scheitern hatte ich eine Verschnaufpause von sechs einsamen Jahren.
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